Seminarbericht: „Auf dem Weg zum Kulturguide“

am 28.11.2016 ergänzt: Seminarbericht von Mahmoud Alhessni auf arabisch und deutsch (siehe weiter unten)

„Auf dem Weg zum Kulturguide“….

So hieß das Seminar in Gollwitz, welches vom 21.-24.10.2016 gemeinsam vom „Eine Welt Projekt“ des Ev. Kirchenkreises Oderland-Spree und dem Projekt „Starten statt Warten“ der Caritas Fürstenwalde organisiert und durchgeführt wurde.
Mit insgesamt 42 Teilnehmenden – darunter 20 Jugendliche, 10 Erwachsene und 5 Kinder mit Fluchterfahrung, plus ReferentInnen und den beiden Organisatorinnen Gabi Moser und Anja Decker – waren es vier intensive, inspirierende und Mut machende Empowerment-Tage.

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„Wir waren wie eine Familie, ich habe mich schon lange nicht mehr so gefühlt“, so einer der Teilnehmer. Beeindruckend waren die Ressourcen, die eingebracht und gezeigt wurden: Rim und Feras erzählten über ihre Ausbildung, Yousef brachte seine Oud mit und brachte das Schloss musikalisch zum erklingen…


…Nedaa, Esraa, Shireen, Lina und Mariana sangen und rappten was das Zeug hielt…


…und alle beteiligten sich intensiv und mit Herzblut an den Diskussionen in den weiteren Workshops, wie z.B. beim „Interkulturellen Training“, beim „Kommunikationstraining“, beim Brainstormen zur „Living Library“, oder zum Thema „Jetzt reden wir“.

Seminarbericht von Mahmoud Alhessni, auf arabisch und deutsch:
bericht

Kleine Reise mit großer Erfahrung
von Mahmoud Alhessni

Ein Bericht über das Seminar „Auf dem Weg zum Kulturguide“ vom 21.-24.10.2016 in der Begegnungsstätte Schloss Gollwitz in Kooperation vom Ev. Kirchenkreis Oderland-Spree/Eine Welt Projekt und des Caritasverbandes Fürstenwalde/Projekt „Starten statt Warten“.

Ich habe mir nicht vorstellen können, dass diese Tage so lange in meiner Erinnerung bleiben. Ich habe interessante und schöne Sachen gelernt und es gab viele nette Leute, die richtige Freunde geworden sind.

Als Anja Decker und Gabi Moser mich eingeladen haben, habe ich ja gesagt, obwohl ich nicht wusste, was das für ein Seminar wird und mit welchen Leuten ich dieses Wochenende verbringen werde.

Wir sind am Freitag um 10.24 Uhr von Fürstenwalde nach Gollwitz (Stadt Brandenburg) gefahren.  Das Seminar ging vier Tage und wir waren insgesamt 42 Personen – 35 Teilnehmende und 7 Teammitglieder. Um 12.30 Uhr sind wir in einem großen Schloss angekommen, das viele  Zimmer hat und in einem  wunderschönen Park steht. Der Herbst hat aus diesem Park ein Bild mit vielen spektakulären Farben gemacht. Im ersten Moment waren alle erstaunt wegen des schönen Orts.

Wir sind der Mittagszeit angekommen und haben zuerst gegessen. Das Essen war sehr lecker, es roch sehr gut und war vielfältig. Nach dem Essen hatten wir Freizeit um uns von der Anreise zu entspannen und unsere Sachen auszupacken. Ich habe mein Zimmer mit zwei weiteren Personen geteilt. Der Eine ist ein alter Freund von mir, der Andere wurde ein Freund von mir. Er ist Musiker und spielt Oud. Vom Zimmer aus blickten wir von Süden und von Osten in den Schlosspark.

Danach bestand die erste Aktivität daraus, mit der Gruppe zusammen eine Runde um das Haus zu laufen. Dabei haben wir uns und den Ort besser kennengelernt. Um 16 Uhr haben wir uns im großen Salon getroffen, wo Gabi und Anja uns für die nächsten Tage, die wir hier verbringen werden, das Programm vorgestellt haben. Im Salon gab es nicht viele Möbel, aber in einer Ecke stand ein klassisches, weißes Klavier, an dem zu jeder Zeit ein Teilnehmer spielte.

Am Samstag war unser Programm sehr voll. Nach dem Frühstück sind wir in den Park gegangen und haben ein bisschen Sport betrieben, damit wir wach werden. Als wir zurückgekommen sind, haben wir die Workshops für diesen Tag vorbereitet. Wir haben zehn Workshops gemacht, fünf am Vormittag und fünf am Nachmittag. Ich habe an zwei Workshops teilgenommen. Der erste ging um das Programm an der Europa Universität Viadrina in Frankfurt/Oder, das ein junger Mann vorgestellt hat. Sein Name ist Herr Dunkelmann. Er hat dieses Programm mit zwei Kollegen vorbereitet. Es geht darum, wie geflüchtete Studierende sich registrieren können, in was für einer Fakultät und Fachrichtung sie studieren wollen und wie sie finanziell, z.B. durch Bafög, unterstützt werden können.

Der zweite Workshop war über „Schul- und Bildungswege in Deutschland“, der von Frau Bonin durchgeführt wurde. Sie hat über die unterschiedlichen Möglichkeiten und Wege berichtet, wie man studieren und Ausbildung machen kann sowie die notwendigen Voraussetzungen dafür erklärt.

Am Abend haben wir im Schlosshof um ein Lagerfeuer gesessen. Yousef hat auf der Oud gespielt und wir haben zwei Stunden oder mehr gesungen. Er hat viele arabische und deutsche Lieder gespielt, so gab es viel Vertrautheit und Harmonie unter uns. Ich habe das selten in Deutschland so gefühlt und es war fast ähnlich wie ein Abend in meiner Heimat Syrien. Hier habe ich mich atmosphärisch zum ersten Mal in Deutschland in einer Stimmung wie mit Familie und Freunden gefühlt.

Der Sonntag hat viele interessante Aktivitäten in sechs Workshops angeboten, wie Musik, Comik zeichnen, Rollenspiele zu Kommunikation und einem Vortrag von einer nigerianischen Frau. „Die Schriftstellerin Chimamanda Adichie erzählt die Geschichte, wie sie die authentische Stimme ihrer Kultur gefunden hat — und warnt uns davor, dass wir, wenn wir nur eine einzige Geschichte über eine andere Person oder Land hören, ein bedenkliches Missverständnis riskieren.“ Drei Gruppen haben jeweils eine kurze Szene über die Alltagskommunikation dargestellt, um das 4-Ohren-Modell von Herr Thuns zu lernen. In dem Comicworkshop haben die Teilnehmer einige witzige Bilder gemalt. Einige Teilnehmer haben ein arabisch-deutschen Rap aufgenommen.

Am letzten Abend haben wir uns wieder im Hof des Schlosses um ein Lagerfeuer getroffen. Obwohl das Wetter kalt war, habe ich eine innere Wärme gefühlt, da innerhalb der Gemeinschaft viele lockere Gespräche geführt wurden und somit alle einen beschaulichen Abend gehabt haben.

Am Morgen des letzten Tages, waren alle glücklich über die Erfahrungen der  Reise, dem Umstand neue Freunde gefunden zu haben und über die vielfältige Information über Deutschland und die verschiedene Wege, damit jeder in seinem Leben weitergehen kann. Es war wirklich eine interessante Reise und es ist wünschenswert dies nächstes Jahr wieder zu machen. Ohne Frage, ich würde wieder mitfahren.

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